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Cécile Lecomte ist frei
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Rosenbaum





Anmeldungsdatum: 29.08.2006
Beiträge: 1205


BeitragVerfasst am: So 09 Nov, 2008 00:02    Titel: Cécile Lecomte ist frei Antworten mit Zitat

Cécile, eine Umweltaktivistin von robin wood, wurde im Rahmen des Castor-Transports nach Gorleben von der Polizei in Vorbeugehaft genommen und nach Braunschweig geschafft.

Aus spontaner Empörung darüber führten samstag nachmittag Mitglieder von robin wood, attac, der Piratenpartei und der BIBS Kundgebungen auf dem Kohlmarkt durch, wodurch sich ein Demonstrationszug zum Gefängnis Rennelberg formierte.

Die Demonstranten belagerten dann regelrecht von 17 Uhr bis nachts um 22 Uhr mit Transparenten und Anti-Atomgegenständen wie gelbe Asse-A´s, unterstützt von einem kompletten Lautsprecherwagen das Braunschweiger Gefängnis und forderten lautstark die Freilassung von Cécile Lecomte.
Als bekannt wurde, daß Cécile nicht im Rennelberggefängnis gefangen gehalten wird, sondern im Gelände der Bereitschaftspolizei in der Friedrich Voigländer-Str., wurde dort noch gegen 22 Uhr eine weitere Kundgebung durchgeführt. Eine Mahnwache verbleibt auch die ganze Nacht über vor Ort, bis die Freilassung von Cécile erreicht ist.

Die Polizei wie die Gefängnisleitung zeigten sich völlig überrascht und versuchten zunächst, mit einem Katz- und Mausspiel die Demonstranten zum Abzug vom Gefängnis zu bewegen, zumal große Unruhe über die Vorgänge auch innerhalb der Gefängnismauern umsich griff.

Hintergrund der Vorkommnisse in Gorleben:
Zitat:
Cécile Lecomte ist die Hauptfigur der Demonstration, obwohl sie gar nicht mitmarschiert. "1, 2, 3 - lasst Cécile frei!", rufen die rund 500 Atomkraftgegner immer wieder, als sie am Abend vom Bahnhof in die Innenstadt ziehen. Die Französin sitzt derweil in der Wache Auf der Hude. Polizisten hatten die Aktivistin am Donnerstag festgenommen, weil sie sich an einer Brücke abgeseilt hatte, um gegen den Atommülltransport zu protestieren.
Da Gefahr bestehe, dass die 26-Jährige sich erneut an Blockaden beteiligen könnte, hatte das Amtsgericht den Langzeitgewahrsam verhängt. siehe: Das Gesicht des Widerstands


Die Aktionen in Braunschweig werden bis zur Freilassung auch am Sonntag weiter fortgesetzt.
Neben der Dauer-Mahnwache wird sich deshalb auch der angekündigte ASSE-Spaziergang ab 14 Uhr vor der Polizei in der Friedrich Voigtländer-Str. einfinden.[/b]

siehe auch den wichtigen Bericht: http://www.ag-schacht-konrad.de/
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Zuletzt bearbeitet von Rosenbaum am So 09 Nov, 2008 19:52, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Rosenbaum





Anmeldungsdatum: 29.08.2006
Beiträge: 1205


BeitragVerfasst am: So 09 Nov, 2008 01:21    Titel: Antworten mit Zitat

... siehe auch dazu (vor der Nachricht gegen 22 Uhr, dass Cécile in der Friedrich Voigtländer Str. festgehalten wird) den Hoffer-Block
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wolf





Anmeldungsdatum: 06.08.2008
Beiträge: 94


BeitragVerfasst am: So 09 Nov, 2008 02:15    Titel: Antworten mit Zitat

Da Cecile Lecomte die vor dem Tor der Polizeidirektion in der Friedrich-Voigtländer-Straße protestierenden Bürger hören konnte, bat Sie um einen Besuch. Einer Teilnehmerin der Demonstration wurde erlaubt, mit Cecile Lecomte zu sprechen - nach gründlicher Leibesvisitation. Der mündliche Bericht der Besucherin über das Gespräch mit Cecile Lecomte und über die Verhältnisse im Gewahrsam wirft ein bezeichnendes Bild auf die Praxis des Polizeigewahrsams in Braunschweig: Keller, im Flur Bilder von gefesselten Körperteilen, Zelle voll gefliest, Toilettengang nur mit Begleitung - nicht in Zelle vorhanden, Verweigerung der Bitte nach Stift und Papier (inzwischen aufgehoben), letzte Nacht durchgehend angeschaltetes Licht, Freigang "in einer Garage" mit Handfesseln wg. angeblicher Fluchtgefahr, psychischer Druck, Beschimpfungen, telefonischer Kontakt nur mit AnwältIn,...... .

noch ganz sprach- und kommentarlos

wolf

Cecile Lecomte braucht unsere Solidarität!

Pressemitteilung von Robin Wood zu den Umständenden der vorbeugenden Ingewahrsnahme von Cecile Lecomte:

http://www.robinwood.de/german/presse/index-081107.htm
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rita69





Anmeldungsdatum: 01.12.2006
Beiträge: 173
Wohnort: braunschweig

BeitragVerfasst am: So 09 Nov, 2008 13:09    Titel: Antworten mit Zitat

Wieso gibt es denn eigentlich ein weiteres Gefängnis in Braunschweig, wovon niemand etwas ahnt ?

Es kann doch nicht sein, dass politisch Missliebige einfach von der Bildfläche verschwinden ?
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Rosenbaum





Anmeldungsdatum: 29.08.2006
Beiträge: 1205


BeitragVerfasst am: So 09 Nov, 2008 17:22    Titel: "Spezial-Knast" in Braunschweig Antworten mit Zitat

rita69 hat folgendes geschrieben:
Wieso gibt es denn eigentlich ein weiteres Gefängnis in Braunschweig, wovon niemand etwas ahnt ?

Es kann doch nicht sein, dass politisch Missliebige einfach von der Bildfläche verschwinden ?


Die Angelegenheit mit dem zweiten Gefängnis in Braunschweig, wo plötzlich unliebsame Leute von der Bildfläche verschwinden können, wird auf jeden Fall ein Nachspiel haben. Auch in der nächsten Ratssitzung am 20 November.

Heute fand um 14 Uhr eine weitere Kundgebung vor diesem 2. Gefängnis in der Friedrich-Voigländer -Str. statt, wieder mit guter öffentlicher Beteiligung und Lautsprecherwagen. An verschiedenen Stellen wird darüber inzwischen berichtet: siehe auch Dauermahnwache wird weitergeführt

Inzwischen wurden die Haftbedingungen für Cécile etwas gelockert: keine Handschellen mehr beim Beine vertreten, Besuche finden statt, Dinge des täglichen Bedarfs werden ihr von BesucherInnen gebracht.

Die Nachricht über die unglaublichen Unterdrückungsmöglichkeiten in einem bisher nicht so wahrgenommenen "Spezial"-Gefängnis mitten in Braunschweig schlug in kürzester Zeit ein wie eine Bombe.

Wie kann es sein, daß politisch Missliebige einfach von der Bildfläche verschwinden ?
Das Gefängnis selbst muss hinterfragt werden und von der Braunschweiger Bürgerschaft in Augenschein genommen werden.
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Rosenbaum





Anmeldungsdatum: 29.08.2006
Beiträge: 1205


BeitragVerfasst am: So 09 Nov, 2008 18:03    Titel: Antworten mit Zitat

siehe dazu auch Nachrichtenticker:

Zitat:
Sunday, November 09, 2008 at 17:31:26 (CET)
Wie eine Nachfrage bei Robin Wood ergeben hat, kommt Cecile noch heute frei+++Der Richter arbeitet an Ihrer Freilassung, es wird aber noch ein wenig dauern
CASTOR-NIX-DA!
Wendland, Atomstaat Deutschland http://www.castor.de/ticker/index.html

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Rosenbaum





Anmeldungsdatum: 29.08.2006
Beiträge: 1205


BeitragVerfasst am: So 09 Nov, 2008 18:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hier ein Augenzeugenbericht über die Braunschweiger Aktionen:

Zitat:
Die am Donnerstag in Gewahrsam genommene Robin Wood-Aktivistin Cecile L. sitzt weiter in der Polizeidirektion in Braunschweig, Friedrich Voigtländer Str. ein.
Hoffnungen der Freilassung haben sich zerschlagen. Sie sitzt ein, weil sie Straftaten begehen könnte. Begangen hat sie keine, so auf einer Demonstration heute um 14::00 Uhr vor dem Polizeipräsidium. Diese Möglichkeit gäbe es nur in Niedersachsen (Wahrscheinlich Lex Gorleben) oder in diktatorisch regierten Staaten.

Die Mahnwache vor der Präsidiumseinfahrt wird weiter fortgesetzt. Sie ist ständig besetzt. Letzte Nacht gab es eine Demonstration, zu der auch attac mit Trommeln aufspielte. In der letzten Nacht wurde eine Freundin zu ihr gelassen. Sie berichtete, dass es C. sehr schlecht ginge und sie nervlich am Ende sei. Sie säße in einer mit weißen Fliesen gekachelten Zelle ein und sei zeitweilig an den Händen gefesselt. das licht müsse tag und Nacht brennen. Es gäbe nur eine Toilette für alle Insassen, wobei des keine getrennten Toiletten gäbe. Die Anwältin hätte Zutritt.

Heute um etwa 14:00 war die Freundin wieder wieder bei Cecile. Sie berichtete, dass es ihr besser ginge und sie mit Begleitung von Beamten Freigang gehabt hätte.
Sie könne außerdem die Demonstration hören und sei froh, dass sie Solidarität erfahre.
Außerdem hätte sie jetzt etwas zum Schreiben. Sie verfasste einen Brief an Robin Wood, der in Kürze ins Internet gestellt werden soll. Ein Lautprecherwagen der "Piratenpartei" war zur Stelle und übertrug die Kundgebung auch zu ihr. Auf der Kundgebung wurde der Mut von C. betont, dass es hoffentlich zukünftig viele Ceciles geben möge, denn sie kämpfe für das Leben und für unsere Zukunft.
Grußadresse wurden verlesen, u. a. aus dem Münsterland und aus Frankreich. (Braunschweig, 17.53 Uhr)

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Rosenbaum





Anmeldungsdatum: 29.08.2006
Beiträge: 1205


BeitragVerfasst am: So 09 Nov, 2008 19:52    Titel: Cécile ist frei ... Antworten mit Zitat

Cécile ist frei !

Die gemeinsame solidarische Aktion von vielen führte schließlicih zum Erfolg. Gegen 18.45 Uhr wurde Cécile Lecomte aus dem Spezialgefängnis in Braunschweig, Friedrich-Voigtländer-Str. entlassen.
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brunos wiek




Alter: 26
Anmeldungsdatum: 13.07.2008
Beiträge: 329
Wohnort: brunswieg

BeitragVerfasst am: Mo 10 Nov, 2008 00:10    Titel: Zeitung berichtet in Montagsausgabe Antworten mit Zitat

Auch die BZ hat´s bemerkt und berichtet in ihrer Montags-Ausgabe:

Zitat:
Proteste vor dem Rennelberg
Bürgerinitiativen verlangen Freilassung von französischer Castor-Gegnerin

Von Jörn Stachura

Samstag und Sonntag haben Mitglieder von Robin Wood und Braunschweiger Bürgerinitiativen für die Freilassung der französischen Castor-Gegnerin Cécile L. in der Stadt demonstriert.

Die Französin war Donnerstag im Wendland vorbeugend in Gewahrsam genommen worden und in der Nacht zu Samstag nach Braunschweig gebracht worden. Samstagabend begannen Demonstrationen vor dem Untersuchungsgefängnis Rennelberg. ... http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2048/artid/9417751

_________________
"Die Zeitungen überprüfen sich gegenseitig" (Paul-Josef Raue am 6.1.2009 in der Christuskirche)
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Felix





Anmeldungsdatum: 18.08.2008
Beiträge: 63


BeitragVerfasst am: Mo 10 Nov, 2008 11:09    Titel: Der "Fall Cécile"! Was bleibt? Antworten mit Zitat

Cécile L. ist frei. Das ist gut so und viele freuen sich darüber. Ich auch.

Was bleibt?
Zunächst die Erinnerung an eine unglaublich spontane Solidarität mit Cécile.
Demonstrationen zunächst vor dem Gefängnis Am Rennelberg. Die Busse, die am Abend aus Gorleben zurück kamen, waren informiert und hielten gleich Am Rennelberg. Mitten in der Nacht Wechsel des Standortes zum Polizeipräsidium in der Friedrich-Voigtländer-Str. Dort ging es weiter mit Trommeln von attac und Sprechchören. Eine Mahnwache wurde eingerichtet, Transparente an den Zaun angebracht und die Nacht vor dem Tor zu den Polizeikasernen verbracht.
Schon vor dem Endlager in Gorleben wurde vom Veranstalter bekannt gegeben, dass Cecile in Braunschweig einsitzt. Tausende Demonstranten wurden informiert und gebeten bei der Polizei in Braunschweig anzurufen. Die Telefonnummer wurde bekannt gegeben. So wurde in windeseile deutschlandweit und in Teilen Europas bekannt, dass Niedersachsen ein Gesetz hat, dass genutzt werde kann, um Bürger einzubuchten, ohne dass sie eine Ordnungswidrigkeit oder gar Straftat begangen haben.

Nach Paragraph 18, Absatz 2 des Niedersächsischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (Nds.SOG) können Verwaltungsbehörden und Polizei Personen in Gewahrsam nehmen, um die unmittelbar bevorstehende Begehung oder Fortsetzung einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit von erheblicher Gefahr für die Allgemeinheit zu verhindern.

Und es wurde wieder mal Braunschweig bekannt, mit dem Spezialgefängnis, obwohl die Stadt nun wirklich nichts dafür kann. Erinnerungen werden wach an den „Braunschweiger Kessel“, bei dem die Polizei rechtswidrig couragierte Bürger einkesselte, die gegen eine Neo-Nazi-Veranstaltung protestierten.

Was bleibt noch?
Cecile wurde rausgegriffen, weil sie als entschiedene Gegnerin und Kämpferin gegen die Macht der Atomkartelle international bekannt ist. Das Resultat ist das Gegenteil von dem, was man sich erhofft hat. Cecile hat es von Bekanntheit zur Berühmtheit geschafft - europaweit-. Cecile ist für viele ein Vorbild geworden. Ein Vorbild des Widerstandes und für das, was eine junge Frau zu leisten vermag.

Was bleibt noch?
Leider eine Demonstration des Politikversagens. Ein solches Gesetz gehört abgeschafft. Es ist eines freiheitlich demokratischen Staates unwürdig. Politikversagen, wie wir es seit Jahrzehnten erleben und aktuell besonders deutlich (siehe Asse II und Diskussion über Laufzeitverlängerung) wird. Das Versagen einer Politik, die gegen das Leben gerichtet ist, bewirkt solche Gesetze. Gesetze, die gegen unsere Demokratie gerichtet sind.
Politikversagen schränkt die Freiheit ein. Eine Freiheit, die heute fast nur noch als Freiheit des Konsums definiert wird. Es liegt an uns Bürgern, ob wir uns die Definition der Freiheit aus der Hand nehmen lassen. Dabei müssen wir wissen, dass die Freiheit schweibchenweise stirbt, nicht nur durch Gesetze, sondern auch durch Chancenlosigkeit und zunehmende Armut in unserer Gesellschaft. Das kann auch durch die zunehmende Event-Kultur, die uns Freiheit suggerieren will, nicht verdeckt werden.
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Rosenbaum





Anmeldungsdatum: 29.08.2006
Beiträge: 1205


BeitragVerfasst am: Mo 10 Nov, 2008 15:01    Titel: Erklärungen von Cécile zur Inhaftierung Antworten mit Zitat

Erklärungen von Cécile zur Inhaftierung:
Zitat:
Pressemitteilung von Cécile Lecomte, alias Eichhörnchen
Lüneburg, 10.11.08

Klettern gefährdet den Atomstaat - Atomkraftgegnerin nach über 3 Tage präventiver Haft entlassen

Die Französische Atomkraftgegnerin aus Lüneburg Cécile Lecomte, alias Eichhörnchen, die am Donnerstag nach einer Kletteraktion von Robin Wood gegen den Castortransport nach Gorleben an einer Brücke bei Lüneburg festgenommen wurde ist am Sonntag abend aus der "Langzeitgewahrsam" in Braunschweig entlassen worden. In einem öffentlichen Brief, der hiermit veröffentlicht wird (siehe unten), nahm sie bereits heute mittag Stellung zu ihrer präventiven tagelangen Inhaftierung.

Die AktivistIn wurde auf Antrag der Polizeidirektion Lüneburg verhaftet und über Tagen fest gehalten, weil die Polizei ihre effektive luftige Protestaktionen so sehr fürchtet: "Klettern gefährdet den Atomstaat", so Lecomte in ihrem Brief.

Weiter prangerte sie die entzetzlichen Haftbedingungen im zentralen Langzeitgewahrsam Braunschweig an, welche sie psychologisch sehr angeschlagen haben: Ihr wurde nachts verwehrt das Licht auszuschalten, ein kurzer Freigang wurde ihr nur mit Handfesseln gewährt.

Psycho-Folter gegen eine Person, die nicht wegen einer Tat einsitzt, die sie begangen hat, sondern nur um zu verhindern, dass sie sich erfolgreich an den weiteren Protesten gegen den Castor-Transport beteiligen kann. "Der wiederstand lässt sich aber nicht klein kriegen", erklärt Lecomte weiter. "Ich habe mich tierisch über die zahlreichen Solidaritätsbotschaften und -aktionen gefreut.

Als ich erfahren habe, dass der Castortransport wegen zahlreichen kreativen Protestaktionen über 12 Stunden Verspätung einfangen musste, habe ich wieder die Kraft gefunden, mich gegen die Haftbedingungen zu wehren. Gemeinsam sind wir stark!


Dass dieses Jahr ausgerechnet viele luftige Aktionen statt gefunden haben freut mich besonders! Mit Repression wird der Atomstaat unseren Widerstand nicht klein kriegen. Denn wir sind viele!"

Lecomte erklärte weiter, die willkürliche unverhältnismäßige polizeiliche Maßnahme gegen sie werde noch ein juristisches und politisches Nachspiel haben.
Denn luftige Protestaktionen sind höchtens eine Ordnungswidrigkeit, also keine Straftat. Genauso wie Sitzblockade.
Doch, AktivistInnen oder PolitikerInnen z.B. von den Grünen, die ihre Teilnahme an Sitzblockade angekündigt haben, sind ja nicht tagelang inhaftiert worden! Ein Beweis mehr dafür, dass das politische Engagement vom Eichhörchen bestraft werden sollte.


Unbeugsames Eichhörnchen


---------------------------------



Brief/Stellungahme von Cécile Lecomte aus dem polizeilichen Langzeitgewahrsam in Braunschweig, Polizeipräsidium und Bereitschaftspolizei, Friedrich-Voigtländer Str. 09.11.2008 gegen 12:00

Zitat:
Klettern gefährdet den Atomstaat- Menschenverachtende Haftbedingungen


• Atomstaat heißt Polizeistaat

Seit Donnerstag, den 6. November, befinde ich mich in polizeilichem Gewahrsam.

Die Haft wurde von der Polizeidirektion Lüneburg beantragt und durch Landesgerichte bestätigt. Ich habe mich am Donnerstag Vormittag an einer öffentlichkeitswirksamen Kletteraktion von Robin Wood beteiligt

Aus Protest gegen den bevorstehenden Castor Transport ins Wendland sind wir auf eine Brücke am Elbe-Seiten-Kanal geklettert und haben Transparente entrollt. Die anderen AktivistInnen wurden gleich nach der Personalien-Feststellung entlassen. Nur ich blieb in Gewahrsam.

Nein, es wird mir nichts vorgeworfen - es ist eine rein präventive Maßnahme – zur Gefahren­abwehr. Der Atomstaat hat Angst vorm Eichhörnchen. Ich bin von der Haft äußerst angeschlagen - es ist mir trotzdem enorm wichtig meine Gefühle bekannt zu machen. Und eines ist sicher - Ich lasse mich nicht unterkriegen. Es lebe der Widerstand! Gemeinsam sind wir stark!



• Zum politischen Hintergrund meiner Verhaftung

Klettern ist für mich Leidenschaft und politische Lieblingsaktionsform. Daher mein Spitzname: Eichhörnchen. Es ist eine gewaltfreie Aktionsform die besonders effektiv sein kann, um Aufmerksamkeit zu erregen, um aufzurütteln. Gegen Atomtransporte habe ich bereits mehrfach in luftiger Höhe protestiert.

Doch solche pfiffigen Aktionen machen der Gegenseite keinen Gefallen! Sie weiß nicht mit dieser Art des Widerstandes umzugehen und sieht eine Gefahr überall. Wobei, wenn Baumklettern von der Polizei und den Gerichten als so gefährlich eingestuft wird, dann sind viele Menschen gefährlich. Denn luftiger Protest gegen den Castor stellt höchstens eine Ordnungswidrigkeit dar - genauso wie die Teilnahme an einer Sitzblockade! Also Frage ich mich, warum zum Beispiel die Grünen Promis, die ihre Teilnahme an Sitzblockaden gegen den Castortransport öffentlich angekündigt haben, nicht ebenfalls zur Gefahrenabwehr in Haft genommen werden.

Aber nein, es geht nicht um Gefahrenabwehr- ansonsten würde der Castortransport gar nicht erst losfahren, es würde keine Atomkraft geben, gehe es tatsächlich um das Recht auf Sicherheit, körperliche Unversehrtheit. Nein, es geht schlicht um die Kriminalisierung des Widerstandes.

Um die Kriminalisierung und um die Bestrafung von politischem Engagement. Die Gefahrenprognose, worauf die Anordnung von Langzeitgewahrsam (oder eher„Schutzhaft“, wie ich in einem Soli-Fax an mich lesen konnte) beruht, basiert auf Tatsachenbehauptungen durch die Polizei. Ein Blick in mein BZR (Bundeszentralregister) beweist es. Nein, ich bin nicht vorbestraft.

Aber Polizei und Gerichte nutzen diese angeblich präventive Maßnahme gegen mich repressiv - ich soll dafür bestraft werden, dass ich zu meinem politischen Handeln stehe, dass ich mich mal weigere Bußgelder zu zahlen und in Erzwingungshaft gehe- wie neulich die 24 Stunden lang in der JVA Lüneburg wegen 5 Euro! Die Haft ist also eine reine Bestrafung.

Allein die theatralische Inszenierung bei meiner Anhörung vor Gericht zeigt es: Ein meiner Ansicht nach befangener Richter, der seinen Beschluss gegen die „renitente“ Atomkraftgegnerin eh bereits zuvor verfasst hat, Polizeidirektor und weitere Mitglieder der Polizeidirektion, die scheinbar nichts wichtigeres zu tun haben, als sich um´s Baumklettern zu kümmern. Denn ich denke nicht, das der Polizeipräsident bei jeder Anhörung von AktivistInnen vor Gericht mitreden will. Polizeidirektor Bräuer war das mit seinen drei goldenen Sternchen.

• Die Menschenwürde ist unantastbar.... aber nicht wenn der Castor kommt
Ich bin Repressionsmaßnahmen der Behörden gewohnt und befinde mich nicht zum ersten mal in Gewahrsam. Aber ich bin ein Mensch - und irgendwann ist es einfach zu viel - zu viel Stressbelastung. Die ersten 24 Stunden habe ich trotz schlechter Haftbedingungen noch gut ausgehalten. Ich war zunächst in Lüneburg in einer Zelle und unterwegs zwischen den Gerichten... Freitag Nacht wurde ich zur Langzeitgewahrsam­stelle des Polizeipräsidiums nach Braunschweig verlegt. Und da frage ich mich wie es möglich ist, dass mit Menschen so unwürdig und verachtend umgegangen wird.

Schon auf der Fahrt nach Braunschweig bin ich zusammengebrochen und in einen Krankenwagen verlegt worden. Doch der Polizeiarzt wurde nicht mal tätig. Eigentlich hätte er erkennen müssen, das ich nicht mehr Gewahrsamfähig war, weil einfach psychologisch am Ende. Ich halte es für unterlassene Hilfeleistung.

Aber ich wurde trotzdem in Braunschweig eingeliefert und wurde von der Nachtschicht extrem unfreundlich aufgenommen, wie ein Schwerverbrecher behandelt. Ich wurde angeschrien, obwohl ich die ganze Zeit schon in Tränen war. Ich wurde mit ausländerfeindlichen Sprüchen beleidigt

Und die Haftbedingungen sind deutlich schlechter als im Knast!! Die Einzelzelle zwar großräumig aber ohne Klo, ohne richtiges Fenster. Schlafentzug durch Verweigerung durch die Beamten das Licht auszuschalten, Hofgang in Handfessel auf dem Gelände der Polizei zwischen Autogaragen ... Zum Glück wird der Widerstand gegen die Atomindustrie von vielen solidarischen Menschen zusammen getragen.


• Solidarität hilft siegen- Widerstand lässt sich nicht klein kriegen!
Schon in Lüneburg fand eine Soli-Kundgebung für mich vor der Polizeiwache statt. Das habe ich mitbekommen. Ebenso die Kundgebung am Samstagabend in Braunschweig. Dazwischen war es extrem schwer auszuhalten - aber Anwälte haben sich um mich gekümmert und das schätze ich sehr: Rechtsbeschwerde, Anzeige gegen die Polizei wegen Freiheitsberaubung und Nötigung. Die Anwältin konnte durchsetzen, das ich Besuch bekomme, dass das Licht nachtsausgemacht wird. So wurde ich von einer Ärztin besucht, die mir menschliche Wärme, Süßigkeiten und Zeitungen brachte.

Ich habe mich darüber tierisch gefreut, als ich erfahren habe, das der Castor stundenlang an der Grenze stand - auch wenn es für mich einen längeren Aufenthalt im Knast bedeutet. Denn in seinem Beschluss erwähnte das Gericht, um meine Gefährlichkeit zu attestieren, dass ich der Presse gegenüber mich als „ Sand im Getriebe und Teil der Bewegung“ bezeichne.- Ja! Das bin ich, das sind alle widerständigen Menschen! Und das ist unsere Stärke!! Das ist was mir die Kraft gibt, trotz menschenunwürdiger Bedingungen auszuhalten. Ich weiß wofür ich stehe - wir wissen alle wofür wir stehen.

Weil mein kletternder Widerstand befürchtet wird, sperrt man mich ein. Aber genau diesen Widerstand, die Menschen, die sich so zur Wehr setzten, zeigen dass unser Widerstand nicht klein zu kriegen ist. Danke an alle AktivistInnen für eure Solidarität. Natürlich wäre ich z.B. bei der Demo am Samstag gerne dabei gewesen. Ich habe gehört, dass viele Menschen, sehr viele, dabei waren. Freut mich.

Freut mich auch, das der Castor sich mit großer Verzögerung seinem Ziel nähert. Ich bin erschöpft, die Haft ist extrem belastend und ich würde am Besten draußen sein, im Baum schlafen, Menschen umarmen, meinen Protest, meine Meinung frei äußern. Ich versuche so gut wie möglich durchzuhalten. Wir sehen uns!

Ich wünsche mir, dass dieser Brief viele Menschen, die Öffentlichkeit erreicht!

Eichhörnchen Cécile


Siehe auch zur Frage des "Nachspiels":
"Verschleppung einer Robin-Wood (vielleicht) Demonstrantin in ein Sondergefängnis"
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Rosenbaum





Anmeldungsdatum: 29.08.2006
Beiträge: 1205


BeitragVerfasst am: Di 11 Nov, 2008 11:45    Titel: Auch in Braunschweig reift die Erkenntnis Antworten mit Zitat

"Die Wucht des Widerstands" ist ein heutiger Kommentar der BZ betitelt und weiter:

Zitat:
Noch nie hatte unsere Region so viel mit einem Atomtransport nach Gorleben zu wie diesmal ...
... dienten die schwerwiegenden Probleme im Versuchslager Asse als Parade-Argumente der Castor-Blockierer


Dann folgt die Erkenntnis ...
Zitat:
...anstatt das strahlende Gut mit unbestimmtem Empfänger immer wieder durch die Republik zu karren.
Die Atomkraftgegner wollen hingegen zuerst alle Kernkraftwerke abschalten
(Braunschweiger Zeitung vom 11.11.2008, Seite 4)


Die Erkenntnis reift ...

Die BIBS hat auf ihrem gestrigen Sprecherrat beschlossen, sich auch der Sondergesetze Niedersachsens zur Vorbeugehaft anzunehmen und das besondere Gefängnis, in dem Cécile Lecomte drei Tage lang gefangen gehalten wurde, genau unter die Lupe zu nehmen.
siehe auch: Polizeiliche Vorbeugehaft in Niedersachsen ... Sondergefängnis ...
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Ulenspiegel




Alter: 11
Anmeldungsdatum: 23.07.2008
Beiträge: 6735


BeitragVerfasst am: Di 11 Nov, 2008 18:07    Titel: Busemann: Mehr Qualität im Jusitzvollzug Antworten mit Zitat

Ach, übrigens...

Busemann: Mehr Qualität im Justizvollzug
Zitat:
Hannover (dpa / lni) - Justizminister Bernd Busemann (CDU) will die niedersächsischen Gefängnisse modernisieren und dadurch mehr Sicherheit schaffen. Es gehe zudem um «Mindeststandards für Hafträume zur Erfüllung von Menschenwürde», sagte er am Montagabend.

Das Ministerium sei dabei, die Gefängnisstandorte neu zu organisieren. Langfristiges Ziel sei es, Gemeinschaftszellen für drei oder vier Gefangene abzuschaffen. «Drei sind einer zu viel», erklärte Busemann. Im geschlossenen Vollzug solle eine Fläche von etwa 8,5 Quadratmetern zum Standard für Einzelhafträume werden. Dadurch werde Stress bei den Häftlingen vermindert, es komme zu weniger Zwischenfällen.
Altmark-Zeitung

... ob er dabei auch an Braunschweigs neue Fliesen-Zelle für vorbeugend Verhaftete denken wird? Falls nicht, könnte man den aktuellen Braunschweiger Fall "Lecomte" erneut als Diskussionsbeitrag an Busemanns Anliegen anknüpfen und ihm vortragen - oder?...

fragt sich Ulensp?egel
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Ulenspiegel




Alter: 11
Anmeldungsdatum: 23.07.2008
Beiträge: 6735


BeitragVerfasst am: Mi 12 Nov, 2008 18:10    Titel: Wer ist Cécile Lecomte? Antworten mit Zitat

Andernorts wurde sich gefragt, wer diese Cécile eigentlich ist und weshalb sie in einem engagierten Forum überhaupt Erwähnung findet.

Daher ein wenig Einblick für alle interessierten BIBS-Forennutzer...

Akrobatisch gegen Atomkraft
Eine 26jährige Atomkraftgegnerin stoppte ganz allein einen Transport mit radiaktiven Material nach Rotterdam.
Zitat:
Unbequem aber effektiv: Cecile Lecomte stoppt einen Urantransport. Foto: dpa

BERLIN taz/dpa Im Alleingang stoppte eine französische Atomkraftgegnerin in der Nacht zum Donnerstag stundenlang einen Transport mit radioaktivem Uranhexaflorid. Kurz vor Burgsteinfurt, 30km von Münster entfernt, hatte die 26jährige Französin auf etwa 7 Meter Höhe ein Seil zwischen zwei Bäumen über die Schienen gespannt - und sich in der Mitte auf die Höhe der Lok heruntergelassen. So blockierte sie den Transport. Die Polizei hatte die Frau mit dem vorausfliegenden Polizeihubschrauber erspäht - und den Zug gestoppt.
Nach Angaben von Atomkraftgegnern, die durch den Suchscheinwerfer des Hubschraubers auf den Vorgang aufmerksam wurden, waren die vor Ort eintreffenden Polizisten zunächst ratlos. Nach Angaben der Polizei dauerte es sechseinhalb Stunden, bevor es in der Nacht gelang, die Frau mit Hilfe von Spezialkräften aus den Seilen zu holen - und vorläufig festzunehmen. Gegen zwei Uhr nachts konnte der Zug seine Fahrt von der Urananreicherungsanlage in Gronau Richtung Rotterdam wieder aufnahmen.
taz

Siehe auch:
http://www.bewegungsstiftung.de/lecomte.html

Wünscht Cécile, dass es ihr gut geht, und ihr und der Bewegung weiterhin gute Ideen sowie recht viel Erfolg bei ihren "Seilakten"...

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brunos wiek




Alter: 26
Anmeldungsdatum: 13.07.2008
Beiträge: 329
Wohnort: brunswieg

BeitragVerfasst am: Mi 12 Nov, 2008 22:15    Titel: Salzgitter aktuell: "Solidarität mit Cécile Lecomte&quo Antworten mit Zitat

Auch in Salzgitter wurde am letzten Sonntag über die Verschleppung von Cécile Lecomte in "Salzgitter aktuell" berichtet und die Kundgebung vor dem "besonderen" Gefängnis in Braunschweig, Friedrich Voigtländer Str. bekannt gemacht:

Zitat:
Info- und Solidaritätskundgebung
Heute, Sonntag, 09. November 2008
14.00 Uhr
vor der Polizeidirektion / Bereitschaftspolizei,
Friedrich-Vogtländer-Straße, Braunschweig

Solidarität mit Cécile Lecomte !
Seit Freitag Nacht ist die 26jährige Kletter- und RobinWood-Aktivistin Cécile Lecomte, die am Donnerstag vorbeugend in Gewahrsam genommen worden ist, in einer Ausnüchterungszelle in der Polizeikaserne in Braunschweig untergebracht. Ihr wurde nachts verwehrt das Licht auszuschalten und tags die frische Luft, ein kurzer Freigang nur mit Handfesseln, sie hatte lange kein Schreibzeug und hat keine eigene Toilette. Psycho-Folter gegen eine Person, die nicht wegen ein Tat einsitzt, die sie begangen hat, sondern nur um zu verhindern, dass sie sich erfolgreich an den weiteren Protesten gegen den Castor-Transport beteiligen kann.

Wir hatten gestern kurz die Möglichkeit mit Cécile Lecomte zu sprechen. Sie hatte einen Nervenzusammenbruch und mußte von einer Ärztin behandelt werden.

Nach Protesten am Samstag haben wir über Nacht eine Dauermahnwache eingerichtet, die bleiben wird, bis Cécile Lecomte rauskommt. Dort kann man sich jederzeit informieren oder beteiligen.

Für heute Mittag, 14.00 Uhr rufen wir zu einer weiteren Info- und Solidaritätskundgebung auf und laden die Presse zu einer kurzen Pressekonferenz über die Haftbedingungen und die Hintergründe der "Vorbeugehaft".
es handelt sich bei dieser Zeitung um Salzgitter aktuell


Da haben die in Salzgitter blitzschnell gearbeitet. Alle Achtung !
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"Die Zeitungen überprüfen sich gegenseitig" (Paul-Josef Raue am 6.1.2009 in der Christuskirche)
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